Auf Reise
Auf Reise
- 10. und letzter Bericht von Christoph Wetzel aus El Alto, Bolivien -
Ich bin in Peru. Mein Freiwilligendienst ist zu Ende. Über 2 Wochen ist es her, dass ich mich vom COMPA und seinen Mitarbeitern verabschiedet habe, und in vieler Hinsicht vermisse ich sie alle schon. In diesem Bericht will ich noch einmal zurückblicken auf die fast 13 Monate hier in Bolivien, ein wenig unsere bisherige Reise beschreiben und mich als Berichteschreiber verabschieden.
Doch vorher noch kurz zu den neuen Freiwilligen, die nun seit Anfang September in Bolivien sind, und die Arbeit im COMPA La Paz, Cochabamba und Santa Cruz schon begonnen haben. Wir haben mit den 10 Leuten (darunter 2 Mädchen) zwei meiner Ansicht nach sehr erfolgreiche Wochen der „Übergabe“ gemacht. Eine Woche in El Alto und La Paz – hier bekamen sie noch einmal einen Sprachkurs, lernten so gut wie alle unserer Arbeitsstellen, die ganzen COMPA Mitarbeiter und Trono-Schauspieler sowie die wichtigsten Kontaktpersonen und natürlich La Paz und El Alto kennen – und danach eine Woche Seminar zusammen mit den wichtigsten COMPA Mitarbeitern in Cochabamba. Hier fanden zahlreiche Workshops zu Theater, Puppentheater, Zirkus und den COMPAtypischen Tambores (Trommeln) statt. Jeder der Freiwilligen leitete ebenfalls einen eigenen Workshops – von denen ich sehr begeistert war, wir hatten Kampfkunst-, Bodypercussion-, Graffitti-, Flamenco-, Kunst aus Müll und noch einige andere Workshops, die besonders für den bolivianischen Teil der Gruppe eine echte Horizonterweierung darstellten – und es gab Präsentationen und Debaten zu verschiedenen Themen.
Zum Abschluss des Seminars trat die ganze Gruppe mit mehreren Theaterstücken, die teilweise auf dem Seminar entstanden waren, den Trommeln und einigen Zirkusnummern, auf zwei grossen Plätzen in Cochabamba auf. Beide Auftritte waren nicht angekündigt, und dennoch hatten wir nach meine Einschätzung insgesamt ca. 400 Zuschauer, was für Strassentheater schon eine ordentliche Leistung ist. Für mich bedeuteten die Auftritte auch das letze Mal Theaterspielen mit dem COMPA, weshalb ich und Phillip auch bei ca. der Hälfte des über 1stündigen Programms als Schauspieler oder Artisten mitmachten. Mich hat es besonders gefreut, noch einmal mit den beiden Kreativchefinnen Coral und Raquel vom COMPA La Paz und meinem Mitzivi Philipp zusammen aufzutreten, die ich im letzten Jahr sehr lieb gewonnen habe. Wir spielten das ca. 15 Minütige Stück „Martha und Mamerto“, das sich auf lustige und sehr kritische Weise mit der Rolle von Frau und Mann in Südamerika beschäftigt. Ausserdem spielten wir „La Flor – die Blume“ und „El Kaiman – der Alligator“.
Ich denke dass wir den neuen Freiwilligen einen recht guten Einstieg geben konnten. Uns ging es vor allem darum, bei der Woche in Cochabamba einen Raum für intensives kennenlernen von Bolivianern und Deutschen zu schaffen, im persönlichen Gespräch, bei den Workshops, durch das gemeinsame Erlebniss im Allgemeinen. Für die Freiwilligen in El Alto ist die Einführung in das bolivianische Leben und die Kultur noch nicht zu Ende. Sie werden noch bis zum 15. Oktober in COMPA - Familien aus El Alto leben.
Rückblick: Alles in allem bereue ich keinen Tag, den ich in El Alto verbracht habe. Mir hat dieses Jahr hier persönlich sehr viel gebracht, das COMPA ist ein Ort, in dem man äusserst viel lernen kann, nicht nur was Theater oder andere eher artistische Sachen angeht. Auch das selbstständige Leben im Ausland und in einer WG waren wichtige Erfahrungen. Und trotz oder vielleicht auch gerade weil es im COMPA auch sehr viele interne Probleme gibt, weil die Arbeit nicht immer einfach, sondern im Gegenteil oft sehr schwierig und das Jahr auch nicht nur frustfrei ablief, bin ich froh es genau hier verbracht zu haben.
Der Wert meiner Arbeit für die Menschen, mit denen ich gearbeitet habe – was ja meist ausserhalb des COMPA in Workshops und mit der mobilen Schule geschah – ist schwer zu benennen. Doch die mehreren schweren Abschiede, emotionalen Reden und noch einmal sehr intensiven Gespräche zeigen mir, dass ich etwas bewirkt habe durch meine Arbeit hier. Kinder und Jugendliche mit ein wenig mehr Selbstvertrauen, Vertrauen in andere, Mut, Kreativität und Motivation, die durch mein Dasein vielleicht auch ihren Horizont erweitern konnten. Einige wenige, aber dafür gute, neue Freunde. Eine Anata-Tournee mit über 7000 Euro Gewinn, eine feste taubstumme Basketballmannschaft im CEREFE, (dieser Workshops wird von einem neuen Freiwilligen weitergeführt) und eine inzwischen selbstständige Theatergruppe „Teatro Inti Phajsi“ sind einige Stichworte, die ich in die Wertwaagschale meines Freiwilligenjahres werfen könnte.
Inzwischen bin ich in Munay Chai (ein Projekt von WISE in der Nähe von Urubamba, Cusco) in Peru, habe die Yungas (Sorata) von Bolivien, die Isla del Sol auf dem Titicacasee, Arequipa und den berühmten Machu Pichu hinter mir. Ausser Arequipa, einer wunderschönen Stadt (zumindest der Stadtkern), waren die letzten 2 Wochen vor allem von viel aussergewöhnlicher Natur und Wandern geprägt. Höhepunkt unserer (Jonas Hanpft, ein guter Freund, Phillip, mein Ex-Mitzivi, der eigentlich alleine reist, aber ab und zu mit uns zusammentrifft und treffen wird, und ich) Touren war Machu Pichu, eine im Bergdschungel verborgene, sehr eindrucksvolle Inkastadtruine. Da der Zug, der dort hinfährt, übertrieben teuer ist (und das Geld zudem an eine chilenisch-amerikanische Gesellschaft geht, die nicht einmal Steuern zahlt) entschieden wir uns, den Weg nach Machu Pichu zu Fuß, teils auf einem einem kleinen Bergpfad, teils an den Schienen entlanglaufend zurückzulegen, was sich zwar als sehr anstrengend (ca.30 km mit schwerem Gepäck) erwies. Aber es hat sich gelohnt, zum einen wegen gesparten 70 Dollar pro Person, zum anderen und vor allem aber wegen der wunderschönen Natur (mal abgesehen von der Zugstrecke), die der Weg zu bieten hatte. Von recht kargem Bergland aus geht es am Urubambafluss langsam hinunter in den Bergurwald. Zelten am Fluss umgeben von Papageien und herrlicher Natur und am 2. Tag der Besuch von Machu Pichu entschädigen allemal für den anstrengenden Marsch.
Ein anderer Aspekt unserer Reise ist das Strassentheater, welches Phillip und ich in den größeren Städten machen wollen. In Arequipa hatten wir 4 Auftritte, drei davon auf der Plaza de Armas (dem zentralem Platz in der Altstadt). Alle waren voller positiver und negativer Erfahrungen, haben einen Heidenspass gemacht und wir haben sogar ein bisschen Geld eingenommen. Idee ist, dass die Hälfte der Einnahmen an uns geht, und die andere Hälfte an Obdachlose und Strassenkinder in den Städten, die noch vor uns liegen. Morgen werden wir noch ein oder 2 Mal in Cusco spielen, nächste Station ist dann Lima. Von Lima geht es, grob gesagt, über Quito (Ecuador) nach Cali (Kolumbien), wo wir wahrscheinlich eine Freundin treffen und mit ihr weiterreisen. Von Cali wahrscheinlich nach Bogota, und dann weiter in Richtung Panama, Costa Rica, Nicaragua und gegen Ende der Reise, wenn die Zeit reicht noch nach Kuba, von wo ich dann kurz vor Weihnachten auch zurückfliegen werde. Zwischen den Städten stehen natürlich alle möglichen Sehenswürdigkeiten, Palmenstrände, Busfahrten, Begegnungen, Wanderungen und spontane Wegänderungen auf dem Programm.
Und in den Städten auch ein bisschen Theater, was neben der Tatsache dass es Spass macht auch noch aus einem anderem Aspekt einfach toll ist. Die Menschen, die uns bisher beim Theatermachen begegnet sind (sowohl andere Strassenkünstler, als auch Passanten bzw. Das Publikum, als auch Strassenverkäufer und Polizisten), nehmen uns auf einmal ganz anders war. Sehr offen und interessiert, auch was unsere Kunst angeht, sehr positiv. Man läuft dann am nächsten Tag ganz normal über den Platz und wird von den Bonbonverkaufenden Kindern nicht angebettelt sondern freudig als „Payaso“ (Clown) oder „Kaiman“ (Rolle in einem unserer Stücke) begrüsst. Gerade in einer so touristischen Stadt wie Arequipa, wo man als Weißer immer nur von Verkäufern, Anpreisern etc. Beschwatzt wird, ist das eine schöne Erfahrung. Der Zentrale Platz in Arequipa ist bis 11 Uhr Abends noch voller Menschen, und neben unserem eigentlichen Programm (La Flor (Pantomime), Los dos Optimistas (Kabarett) und El Kaiman) haben vor allem auch die Walk Acts und das Doubeln von Passanten sehr gut funktioniert. Es gibt dort Leute, die gehen extra auf die Plaza, um sich die Künstler dort anzuschauen, und wieder andere, die nur vorbeigehen und dann 2 Stunden da bleiben um die ganzen interessanten Dinge, die die ganze Zeit auf dem Platz passieren, zu bestaunen. Am letzten Tag haben neben uns noch 3 andere Gruppen (Musiker, Actionmaler und eine Comedytruppe), zur gleichen Zeit etwas präsentiert. So eine „Platz-stimmung“ gibts in Deutschland viel seltener, hier ist es normal.
Mit diesen Worten möchte ich mich als Freiwilligendiest – Berichteschreiber aus Bolivien verabschieden. Ich hoffe euch mit den Berichten ein realistisches Bild meiner Arbeit vermittelt zu haben, in nicht allzu trockener Form. Bleibt noch, mich zu bedanken. Bei meinen Eltern, meiner Familie und meinen Freunden für die Unterstützung, den guten Kontakt und alles andere, bei allen finanziellen Unterstützern für ihr Vertrauen, bei allen sonstigen Lesern für ihr Interesse. Mein größter Dank gilt Cordula Müller und Pablo Schickinger, den Vorsitzenden von WISE e.V., meiner Entsendeorganisation, ohne die dieses Jahr nicht möglich gewesen wäre. Für ihren unermüdlichen Einsatz.
Reisende Grüsse nach Deutschland.
Christoph
- 10. und letzter Bericht von Christoph Wetzel aus El Alto, Bolivien -
Ich bin in Peru. Mein Freiwilligendienst ist zu Ende. Über 2 Wochen ist es her, dass ich mich vom COMPA und seinen Mitarbeitern verabschiedet habe, und in vieler Hinsicht vermisse ich sie alle schon. In diesem Bericht will ich noch einmal zurückblicken auf die fast 13 Monate hier in Bolivien, ein wenig unsere bisherige Reise beschreiben und mich als Berichteschreiber verabschieden.
Doch vorher noch kurz zu den neuen Freiwilligen, die nun seit Anfang September in Bolivien sind, und die Arbeit im COMPA La Paz, Cochabamba und Santa Cruz schon begonnen haben. Wir haben mit den 10 Leuten (darunter 2 Mädchen) zwei meiner Ansicht nach sehr erfolgreiche Wochen der „Übergabe“ gemacht. Eine Woche in El Alto und La Paz – hier bekamen sie noch einmal einen Sprachkurs, lernten so gut wie alle unserer Arbeitsstellen, die ganzen COMPA Mitarbeiter und Trono-Schauspieler sowie die wichtigsten Kontaktpersonen und natürlich La Paz und El Alto kennen – und danach eine Woche Seminar zusammen mit den wichtigsten COMPA Mitarbeitern in Cochabamba. Hier fanden zahlreiche Workshops zu Theater, Puppentheater, Zirkus und den COMPAtypischen Tambores (Trommeln) statt. Jeder der Freiwilligen leitete ebenfalls einen eigenen Workshops – von denen ich sehr begeistert war, wir hatten Kampfkunst-, Bodypercussion-, Graffitti-, Flamenco-, Kunst aus Müll und noch einige andere Workshops, die besonders für den bolivianischen Teil der Gruppe eine echte Horizonterweierung darstellten – und es gab Präsentationen und Debaten zu verschiedenen Themen.
Zum Abschluss des Seminars trat die ganze Gruppe mit mehreren Theaterstücken, die teilweise auf dem Seminar entstanden waren, den Trommeln und einigen Zirkusnummern, auf zwei grossen Plätzen in Cochabamba auf. Beide Auftritte waren nicht angekündigt, und dennoch hatten wir nach meine Einschätzung insgesamt ca. 400 Zuschauer, was für Strassentheater schon eine ordentliche Leistung ist. Für mich bedeuteten die Auftritte auch das letze Mal Theaterspielen mit dem COMPA, weshalb ich und Phillip auch bei ca. der Hälfte des über 1stündigen Programms als Schauspieler oder Artisten mitmachten. Mich hat es besonders gefreut, noch einmal mit den beiden Kreativchefinnen Coral und Raquel vom COMPA La Paz und meinem Mitzivi Philipp zusammen aufzutreten, die ich im letzten Jahr sehr lieb gewonnen habe. Wir spielten das ca. 15 Minütige Stück „Martha und Mamerto“, das sich auf lustige und sehr kritische Weise mit der Rolle von Frau und Mann in Südamerika beschäftigt. Ausserdem spielten wir „La Flor – die Blume“ und „El Kaiman – der Alligator“.
Ich denke dass wir den neuen Freiwilligen einen recht guten Einstieg geben konnten. Uns ging es vor allem darum, bei der Woche in Cochabamba einen Raum für intensives kennenlernen von Bolivianern und Deutschen zu schaffen, im persönlichen Gespräch, bei den Workshops, durch das gemeinsame Erlebniss im Allgemeinen. Für die Freiwilligen in El Alto ist die Einführung in das bolivianische Leben und die Kultur noch nicht zu Ende. Sie werden noch bis zum 15. Oktober in COMPA - Familien aus El Alto leben.
Rückblick: Alles in allem bereue ich keinen Tag, den ich in El Alto verbracht habe. Mir hat dieses Jahr hier persönlich sehr viel gebracht, das COMPA ist ein Ort, in dem man äusserst viel lernen kann, nicht nur was Theater oder andere eher artistische Sachen angeht. Auch das selbstständige Leben im Ausland und in einer WG waren wichtige Erfahrungen. Und trotz oder vielleicht auch gerade weil es im COMPA auch sehr viele interne Probleme gibt, weil die Arbeit nicht immer einfach, sondern im Gegenteil oft sehr schwierig und das Jahr auch nicht nur frustfrei ablief, bin ich froh es genau hier verbracht zu haben.
Der Wert meiner Arbeit für die Menschen, mit denen ich gearbeitet habe – was ja meist ausserhalb des COMPA in Workshops und mit der mobilen Schule geschah – ist schwer zu benennen. Doch die mehreren schweren Abschiede, emotionalen Reden und noch einmal sehr intensiven Gespräche zeigen mir, dass ich etwas bewirkt habe durch meine Arbeit hier. Kinder und Jugendliche mit ein wenig mehr Selbstvertrauen, Vertrauen in andere, Mut, Kreativität und Motivation, die durch mein Dasein vielleicht auch ihren Horizont erweitern konnten. Einige wenige, aber dafür gute, neue Freunde. Eine Anata-Tournee mit über 7000 Euro Gewinn, eine feste taubstumme Basketballmannschaft im CEREFE, (dieser Workshops wird von einem neuen Freiwilligen weitergeführt) und eine inzwischen selbstständige Theatergruppe „Teatro Inti Phajsi“ sind einige Stichworte, die ich in die Wertwaagschale meines Freiwilligenjahres werfen könnte.
Inzwischen bin ich in Munay Chai (ein Projekt von WISE in der Nähe von Urubamba, Cusco) in Peru, habe die Yungas (Sorata) von Bolivien, die Isla del Sol auf dem Titicacasee, Arequipa und den berühmten Machu Pichu hinter mir. Ausser Arequipa, einer wunderschönen Stadt (zumindest der Stadtkern), waren die letzten 2 Wochen vor allem von viel aussergewöhnlicher Natur und Wandern geprägt. Höhepunkt unserer (Jonas Hanpft, ein guter Freund, Phillip, mein Ex-Mitzivi, der eigentlich alleine reist, aber ab und zu mit uns zusammentrifft und treffen wird, und ich) Touren war Machu Pichu, eine im Bergdschungel verborgene, sehr eindrucksvolle Inkastadtruine. Da der Zug, der dort hinfährt, übertrieben teuer ist (und das Geld zudem an eine chilenisch-amerikanische Gesellschaft geht, die nicht einmal Steuern zahlt) entschieden wir uns, den Weg nach Machu Pichu zu Fuß, teils auf einem einem kleinen Bergpfad, teils an den Schienen entlanglaufend zurückzulegen, was sich zwar als sehr anstrengend (ca.30 km mit schwerem Gepäck) erwies. Aber es hat sich gelohnt, zum einen wegen gesparten 70 Dollar pro Person, zum anderen und vor allem aber wegen der wunderschönen Natur (mal abgesehen von der Zugstrecke), die der Weg zu bieten hatte. Von recht kargem Bergland aus geht es am Urubambafluss langsam hinunter in den Bergurwald. Zelten am Fluss umgeben von Papageien und herrlicher Natur und am 2. Tag der Besuch von Machu Pichu entschädigen allemal für den anstrengenden Marsch.
Ein anderer Aspekt unserer Reise ist das Strassentheater, welches Phillip und ich in den größeren Städten machen wollen. In Arequipa hatten wir 4 Auftritte, drei davon auf der Plaza de Armas (dem zentralem Platz in der Altstadt). Alle waren voller positiver und negativer Erfahrungen, haben einen Heidenspass gemacht und wir haben sogar ein bisschen Geld eingenommen. Idee ist, dass die Hälfte der Einnahmen an uns geht, und die andere Hälfte an Obdachlose und Strassenkinder in den Städten, die noch vor uns liegen. Morgen werden wir noch ein oder 2 Mal in Cusco spielen, nächste Station ist dann Lima. Von Lima geht es, grob gesagt, über Quito (Ecuador) nach Cali (Kolumbien), wo wir wahrscheinlich eine Freundin treffen und mit ihr weiterreisen. Von Cali wahrscheinlich nach Bogota, und dann weiter in Richtung Panama, Costa Rica, Nicaragua und gegen Ende der Reise, wenn die Zeit reicht noch nach Kuba, von wo ich dann kurz vor Weihnachten auch zurückfliegen werde. Zwischen den Städten stehen natürlich alle möglichen Sehenswürdigkeiten, Palmenstrände, Busfahrten, Begegnungen, Wanderungen und spontane Wegänderungen auf dem Programm.
Und in den Städten auch ein bisschen Theater, was neben der Tatsache dass es Spass macht auch noch aus einem anderem Aspekt einfach toll ist. Die Menschen, die uns bisher beim Theatermachen begegnet sind (sowohl andere Strassenkünstler, als auch Passanten bzw. Das Publikum, als auch Strassenverkäufer und Polizisten), nehmen uns auf einmal ganz anders war. Sehr offen und interessiert, auch was unsere Kunst angeht, sehr positiv. Man läuft dann am nächsten Tag ganz normal über den Platz und wird von den Bonbonverkaufenden Kindern nicht angebettelt sondern freudig als „Payaso“ (Clown) oder „Kaiman“ (Rolle in einem unserer Stücke) begrüsst. Gerade in einer so touristischen Stadt wie Arequipa, wo man als Weißer immer nur von Verkäufern, Anpreisern etc. Beschwatzt wird, ist das eine schöne Erfahrung. Der Zentrale Platz in Arequipa ist bis 11 Uhr Abends noch voller Menschen, und neben unserem eigentlichen Programm (La Flor (Pantomime), Los dos Optimistas (Kabarett) und El Kaiman) haben vor allem auch die Walk Acts und das Doubeln von Passanten sehr gut funktioniert. Es gibt dort Leute, die gehen extra auf die Plaza, um sich die Künstler dort anzuschauen, und wieder andere, die nur vorbeigehen und dann 2 Stunden da bleiben um die ganzen interessanten Dinge, die die ganze Zeit auf dem Platz passieren, zu bestaunen. Am letzten Tag haben neben uns noch 3 andere Gruppen (Musiker, Actionmaler und eine Comedytruppe), zur gleichen Zeit etwas präsentiert. So eine „Platz-stimmung“ gibts in Deutschland viel seltener, hier ist es normal.
Mit diesen Worten möchte ich mich als Freiwilligendiest – Berichteschreiber aus Bolivien verabschieden. Ich hoffe euch mit den Berichten ein realistisches Bild meiner Arbeit vermittelt zu haben, in nicht allzu trockener Form. Bleibt noch, mich zu bedanken. Bei meinen Eltern, meiner Familie und meinen Freunden für die Unterstützung, den guten Kontakt und alles andere, bei allen finanziellen Unterstützern für ihr Vertrauen, bei allen sonstigen Lesern für ihr Interesse. Mein größter Dank gilt Cordula Müller und Pablo Schickinger, den Vorsitzenden von WISE e.V., meiner Entsendeorganisation, ohne die dieses Jahr nicht möglich gewesen wäre. Für ihren unermüdlichen Einsatz.
Reisende Grüsse nach Deutschland.
Christoph
hackl - 5. Okt, 14:33



















